…wie ein Teufelskreis!

Oh, das kennen wir alle. In Beziehungen gibt es Reibung, und das ist auch gut so. Wir ärgern uns, manchmal entlädt sich der Ärger auch und es kracht gehörig – und danach findet man auch irgendwie wieder zur Ruhe und hat etwas neu verhandelt oder die Andersartigkeit akzeptiert.
Manchmal aber entstehen in unseren Beziehungen Dynamiken, die sich nicht gut anfühlen. Da scheint immer wieder ein gleicher (lauter oder auch stummer) Schlagabtausch zu passieren, der nie zu einer Lösung, sondern regelmäßig zu Frustration, Schmerz oder fassungslosem Kopfschütteln führt. Keine Auflösung, kein Aushandeln oder Akzeptieren – ein Teufelskreis.

Schulz von Thun erklärt uns anhand eines Modells was sich in so einer Teufelskreis-Dynamik abspielt. Es ist ein Schlagabtausch von “Tun” und “Fühlen” – dazwischen steht jeweils, wie etwas wahrgenommen, interpretiert und bewertet wird.

Sehen wir uns einmal an einem Beispiel an was passiert, wenn ein Partner sich abends nicht an einem gemeinsamen Abendprogramm beteiligt, sondern sich stattdessen mit einem Buch ins Bett zurückzieht. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, warum er dies tut. Ist das Buch vielleicht besonders spannend und er freut sich den ganzen Tag schon auf das abendliche Lesen? Möchte er seinem Gehirn etwas Abwechslung und Training gönnen….man wird ja nicht jünger? Versucht er in dem Buch eine Frage beantwortet zu bekommen, die ihn seit Tagen umhertreibt? Hatte er womöglich einen komplizierten Arbeitstag, und möchte nicht noch mehr reden müssen, sondern mit Hilfe eines Romanes lieber etwas Ablenkung bekommen? … Oder möchte er aus irgendeinem Grund den Abend nicht mit seiner Partnerin verbringen und zieht es vor alleine ein Buch zu lesen? Wir wissen es nicht, wenn wir ihn nicht fragen.

In unserem Beispiel geht die Partnerin davon aus, dass er keine Zeit mit ihr verbringen möchte – und natürlich kränkt sie das. Sie fühlt sich zurückgesetzt, und das veranlasst sie zu handeln: sie geht ihm nach, baut sich vor dem Bett auf und erklärt ihm, wie unmöglich sie es von ihm findet einfach mit seinem Buch zu verschwinden…

Auch hier eröffnet sich dem Mann nun ein Blumenstrauss aus möglichen Erklärungen, warum seine Frau nun sichtlich aufgebracht am Bett steht. Ihre Worte interpretiert er als Kritik an seinen Entscheidungen und an seiner Person. Er fühlt sich zu Unrecht kritisiert und in seinem Rückzugsraum gestört. Das macht ihn ärgerlich oder traurig, und anstatt die Situation aufzulösen dreht er sich wortlos mit dem Buch zur Wand. Mehr vom Gleichen: er zieht sich zurück – sie fühlt sich noch mehr zurückgesetzt, und kritisiert weiter…

 

Was also tun, wenn man erkannt hat, dass man sich in einem Kreislauf sich selbst bedingender negativer Abfolgen befindet?

Lassen Sie uns ausschließen, dass der beste Freund, das Universum oder Ihre Schwiegermutter dem anderen mal “Bescheid geben” wird, und der sich dann so ändert, dass Sie sich nicht mehr durch sein/ihr Handeln beeinträchtigt fühlen.
Nehmen wir mal an, dass der/die andere ebenso wie Sie denkt, sein/ihr Fühlen und Handeln sei die adäquate Weise  sich zu verhalten.
Gehen wir also davon aus, dass Ihr blosser Wunsch nach Veränderung leider nicht dazu führen wird, dass diese Veränderung geschieht.

Welche Optionen stehen Ihnen also zur Verfügung in einem Uhrwerk, in dem es nur zwei Zahnräder gibt?

 

In unserem Modell gibt es viele Möglichkeiten die Dynamik zu verändern. Was würde wohl passieren, wenn man nicht gleich gekränkt wäre sondern andere Interpretationen für möglich hielte? “Gehst du jetzt in´s Bett, weil du alleine sein möchtest?”

Was wäre, wenn man – statt es einfach zu akzeptieren – den Versuch unternimmt und ein gemeinsames Abendprogramm vorschlägt? “Ist dir das Buch gerade wichtig? Ich würde mir gern mit dir gemeinsam einen schönen Film ansehen!”

Wie würde er reagieren, wenn Sie ihm mitteilen würde, wie sein Handeln auf Sie wirkt? “Du … ich fühl mich nicht gut damit, wenn du so wortlos mit deinem Buch abziehst. Ich denk mir dabei, vielleicht magst du lieber alleine als mit mir zusammen sein. Stimmt das?”

Und was könnte passieren, wenn Sie einfach sagen würde, was Ihr vielleicht als Kompromiss lieber wäre. “Ich bin so gern mit dir zusammen. Kannst du dein Buch nicht mit mir auf dem Sofa lesen? Dann hole ich mir auch eines.”

Probieren Sie es doch mal aus …. tun Sie etwas anders, also Sie es sonst spontan tun würden. Verändern Sie selbst den Kreislauf, und sehen Sie, ob das Uhrwerk dann etwas anders tickt! Manchmal ist es nur eine Frage, die den Raum wieder öffnet….

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